GRRM und Taniguchi: Zwei mal Dank an Herrn Scheck

Denis Scheck, der ohne Zweifel am besten gekleidete deutsche Literaturkritiker, durch seine unnachahmlich locker-sympathische, dabei jedoch niemals oberflächliche Art wohl so langsam auf dem Weg in den Kritikerolymp, gefällt mir neben Kleidung und Charisma vor allem wegen einer besonderen Eigenschaft: Er verfügt über keinerlei feuilletonistischen Dünkel.

So beschäftigt er sich neben der sogenannten Hochkultur, die zumeist selbsternannte Literaturkenner im Hinterstübchen des leitkulturell glattgebügelten Feuilletons rezensieren und kanonisieren, mit Vorliebe auch für die Schätze der sogenannten literarischen Populärkultur, die aufgrund ihrer Originalität und Güte aus dem zugegebenermaßen teils dumpf dahinwabernden Brei massentauglicher Bücher hinausragen.

Die beiden besten Beispiele dafür ist Schecks Beschäftigung mit zwei ganz Großen der modernen Fantasy- bzw. grafischen Literatur: George R. R. Martin, der mit “Das Lied von Eis und Feuer” meiner Meinung nach gerade dabei ist, ein Jahrhundertwerk zu schreiben sowie Jiro Taniguchi, der “europäische” Mangaka, der mit seinen anspruchsvollen Mangas immer wieder zu berühren weiß.

Angefügt sind daher zwei kleine Videos, mit denen ich vor allem eins möchte: Denis Scheck danken!

Denis Scheck trifft GRRM

Scheck und Taniguchi

Die Geburt eines Comics

Wie entsteht eine hochwertig verarbeitete Graphic Novel technisch? Was sind die letzten Schritte des Druckvorgangs, mit dem allerhöchste Ansprüche an Papierqualität und Farbechtheit gewährleistet werden?

Einen Einblick in das spannende Handwerk des Druckers am Beispiel der Entstehung der mit Lob überschütteten Graphic Novel “Jimmy Corrigan” von Chris Ware (Rezension folgt!) gibt der von mir sehr geschätzte Reprodukt-Verlag in seinem Blog.

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“Nachtschicht mit Fjodor” heißt das Ganze, und der unterschwellige und rein zufällige Dostojewskij-Bezug macht es nur noch köstlicher. Wir sehen, wie der Druckvorgang eines Comics abläuft und wie viel Arbeit selbst in diesem letzten Stadium der Neunten Kunst steckt.

Mehr davon! Das bibliophile Herz eines jeden Comicfans schlägt eine Spur höher.

PS: Dank auch an Philipp Spreckels für den Hinweis!

Rezension: Sachbuch für Klardenker

Hinterher ist man immer schlauer. Wer kennt es nicht, das Problem, dass man sich später darüber ärgert, eine Person oder Situation falsch eingeschätzt zu haben? Einschätzen will gelernt sein. Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen verfügt – man glaubt es kaum – über die Fähigkeit, im Wirrwarr der Emotionen doch gelegentlich die ein oder andere richtige Entscheidung zu treffen. Und damit wir die Anzahl der richtig getroffenen Entscheidungen erhöhen können, hat der schweizer Wirtschaftspublizist und Schriftsteller Rolf Dobelli ein Buch geschrieben: „Die Kunst des klaren Denkens“, letztes Jahr erschienen im Hanser Verlag.

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Dobelli hat es sich zum Ziel gesetzt, in diesem Buch dem psychologischen Phänomen der menschlichen Entscheidungsfindungsprozesse auf den Grund zu gehen. Das klingt akademisch und verkopft.

Und damit sind wir auch schon bei der größten Stärke des Buchs: „Die Kunst des klaren Denkens“ ist tatsächlich so klar und einfach geschrieben, dass tatsächlich jeder Interessierte etwas von der Lektüre mitnehmen kann. Der Autor beschreibt insgesamt 52 Denkfehler, die typisch menschlich sind und somit jedem von uns beizeiten unterlaufen. Dabei nimmt jedes Kapitel, also jeder besprochene Denkfehler, nur wenige Seiten ein und ist darüber hinaus mit einer ansprechenden Illustration verbunden, die das Gesagte humorvoll aufnimmt und teilweise ironisch bricht.

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Ein Beispiel: Mein Lieblingsdenkfehler ist der „Confirmation Bias“, also die Neigung, alle neuen Erfahrungen stets in einer Art und Weise zu interpretieren, die den eigenen vorgefassten Annahmen entspricht. Wer die von Dobelli ausgerufene Aufforderung beherzigt, stets die „disconfirming information“ zu suchen, wird es im Alltag und im Job leichter haben. Die Chance, die Dinge objektiver zu sehen, erhöht sich unweigerlich um ein Vielfaches.

Leider kann auch hier eine latente Kritik nicht ausbleiben. Der Autor erläutert in seinen Denkfehler-Betrachtungen so intensiv die Vorzüge der Rationalität, dass auf dem Wege zu einer besseren persönlichen Entscheidungsfindung die Kraft der Emotion und vor allem der Intuition, des sprichwörtlichen Bauchgefühls, ins Hintertreffen geraten. Dennoch ist „Die Kunst des klaren Denkens“ keinesfalls nur etwas für effizienzsteigerungssüchtige Rationalisten, im Gegenteil: Da die besprochenen typischen Denkfehler eine große Bandbreite abdecken, findet sich jeder Leser an der einen oder anderen Stelle sicherlich wieder.

Dobelli hat bereits ein Parallelwerk verfasst: „Die Kunst des klugen Handelns“, in dem weniger die Entscheidungsfindung, als vielmehr die Umsetzung getroffener Entscheidungen im Mittelpunkt steht. Nach der überaus angenehmen Lektüre des erstgenannten Werks werde ich mir sicherlich auch den Folgeband zulegen.