Der kleine Lord – Frances H. Burnett

Dennoch jubilierte der hitzige alte Mann innerlich beim Anblick dieses starken, hübschen Jungen, der sein Enkelsohn war. Triumphierend gewahrte er, wie unerschrocken das Kind ihm ins Gesicht blickte, die Hand noch immer auf dem Hals des riesigen Hundes. Es gefiel dem herrischen alten Edelmann im Innersten, dass der Junge keine Schüchternheit und keine Furcht verriet, weder vor ihm noch vor seinem Hund. Cedric sah ihn an, wie er zuvor die Portiersfrau und die Haushälterin angesehen hatte, und trat nah an ihn heran. „Bist du der Graf?“, fragte er. „Ich bin dein Enkel, den Mr. Havisham geholt hat – Lord Fauntleroy.“

Never judge a book by its movie – ein eherner Grundsatz, der nicht bestehen würde, wenn es mehr gute Literaturverfilmungen gäbe. Jedes Jahr zu Weihnachten kann man sich jedoch eine gelungene filmisches Adaption im Fernsehen anschauen: Die Verfilmung des Weihnachtsklassikers „Der kleine Lord“ von Frances H. Burnett aus dem Jahre 1980 ist selbst ein Weihnachtsklassiker geworden. In seltenen Fällen wie diesen, wo der Film qualitativ an das Buch heranreicht, kehrt sich das Bekanntheitsverhältnis nicht selten um: Die allermeisten werden den kleinen Lord Fauntleroy nur aus dem Film kennen.

Der Homunculus Verlag tritt an, dies zu ändern – mit einer vor Kurzem erschienenen Neuausgabe des klassischen Stoffes.

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Stefan Zweig: „Buchmendel“ und „Die unsichtbare Sammlung“

Stefan Zweigs enorme produktive Schaffenskraft brachte nicht nur die allseits bekannte und beliebte „Schachnovelle“, die „Sternstunden der Menschheit“ und „Die Welt von Gestern“ hervor, sondern auch eine ganze Reihe an weniger bekannten, aber nicht minder lesenswerten Texten. Zwei davon vereint das vorliegende Buch des mir bisher – leider – völlig unbekannten Verlags „Topalian & Milani“ mit Sitz in Ulm.

Von Zweigs Novelle „Buchmendel“ hatte ich bereits gehört, wenngleich ich sie noch nicht gelesen hatte. „Die unsichtbare Sammlung“ hingegen war mir völlig unbekannt – Dank der Zusammenstellung dieser beiden auch thematisch eng verknüpften Novellen konnte ich meinen Zweig’schen Horizont erweitern. Und wie.

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Gottfried Keller: Kleider machen Leute – im neuen Gewand

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Kellers „Kleider machen Leute“, erstmals erschienen 1874, gehört längst zum illustren Kreis der ewigen Schulbuchklassiker – und hat daher eine entsprechend dicke Staubschicht angesetzt. Die Edition Büchergilde und der Illustrator Martin Krusche schicken sich nun mit einer Neuausgabe an, den Feudel zu schwingen und die Staubschicht endgültig abzutragen. Dabei herausgekommen ist eine „Graphic Novel“, was auch so auf dem Cover steht. Ob dieser Relaunch eines alten Stoffes gelingt?

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